Wanderung mit Kindern
Schluchtensteig zwischen Todtmoos-Au und Wehr
Das fängt ja gut an. Erst haben wir uns mit der Weglänge verschätzt – statt geplanter zwölf Kilometer sind’s laut Schild doch saftige viereinhalb mehr – und jetzt auch noch das: "Du hast uns doch schmale Wege versprochen", meckern die Kinder. Am Startpunkt der Tour liegt ein breiter Forstweg vor uns und der ste
igt auch noch an.
Dabei ist Wandern mit Kindern ohnehin immer eine Zitterpartie für Eltern. Deshalb hatten wir im Vorfeld scheinbar alles bis ins Detail geplant, ein Rezept mit Gelinggarantie für die sorglose Wanderung ausbaldowert: Man nehme eine Tour mit Bächen, Felsen und schmalen Pfaden, mixe zwei Neunjährige, die beste Freunde sind, und zwei Mütter dazu, die sich ebenfalls gut verstehen, packe seinen Rucksack mit ordentlich Vesper, Pflaster und Notfallsüßis: Fertig ist die perfekte Wanderung – dachten wir.
Doch erst einmal müssen wir eine halbe Stunde ohne Wasserläufe auf breiten Forstwegen überstehen, der Süßivorrat schwindet schon jetzt rapide. Zum Glück für uns entdecken die Jungs das Wegweisersuchen. Schnell ist das Schluchtensteigschild ausfindig gemacht: ein blaues S, ein roter und grüner Kringel – "Fluss, Wald und rote Zunge, die raushängt, weil’s so bergauf geht", so die Jungs. Tatsächlich hat unser Tourenabschnitt insgesamt 400 Höhenmeter Aufstieg, bergab aber sind es doppelt so viele.
Dann, endlich, kommen sie, die urigen Pfade mit steilabfallenden, felsigen Hängen. Der Wald verwandelt sich in einen Urwald aus saftigem Grün mit gigantischen Tannen und Buchen. Mächtige Steinblöcke säumen den Pfad und sind ebenso mit Moos ummantelt wie die Tannenskelette und Baumriesen, die entwurzelt im Hang liegen, sich kreuz und quer stapeln wie ein riesiges Mikadospiel.
Immer wieder gibt der Wald Gucklöcher frei. Ganz unten tost und brüllt die Wehra, selbst auf dem Steig, der gut 100, 200 Meter höher entlangläuft, können wir sie hören. Vorsichtig (Kante!) starren wir die steilen Waldhänge hinab auf das weiß schäumende, wilde Wasser. Wie eine silberne Riesenschlange frisst sich die Wehra durch die Schlucht. An ihren Flanken wuchert der dichte, grüne Wald, und um die Urwaldkulisse perfekt zu machen, schaukeln Wolkenfetzen zwischen den Baumkronen.
Steil wird nun der Pfad, der uns bergab führt, entlang an einem ebenfalls prall gefüllten Wildbach, immer näher zur laut tosenden Wehra hin. Kilometermäßig ist fast Halbzeit. Gut, dass die Jungs die Bushaltestelle nicht bemerken, als wir die Straße überqueren und auf einem schmalen Weg in den Gegenhang einsteigen. Ohnehin scheint dank des urigen Pfads das Wandern auf einmal kein Problem mehr zu sein: Die Jungs entdecken drei unterschiedliche Schneckenarten, die sich teilweise gegenseitig auffressen ("Bwäääh") und Steinblöcke mit Gesichtern ("wie auf den Osterinseln"). Als der Bannwald uns wieder verschluckt, wird das Tosen der Wehra zu einem leisen Rauschen, irgendwo in weiter Ferne.
Wir sind eingetaucht in den Abenteuerspielplatz Wald, die Jungs spinnen Geschichten. "Schau mal, die Wurzel sieht aus wie der Kopf eines Greifs" – "Ja, und der jagt die Baumskelettechse" – Willkommen im Jurassic Parc. Wir Erwachsene sind abgeschrieben, die Jungs flitzen voraus – und sind bald verschwunden. Wir hören ihr Gelächter in der Ferne. Ach, die werden schon irgendwann langsam machen. Eine halbe Stunde später merken wir, wie still es mit einem Mal ist. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen? Sind sie abgestürzt? Wir bleiben stehen und gucken – keine Kinder in Sicht – und lauschen – nichts. Dann, endlich, dringt von ziemlich weit her wieder Gelächter zu uns und wir entspannen uns.
Erst ein ganzes Wegstück weiter ist unsere Kinderlosigkeit vorbei. Der letzte Höhepunkt der Tour, die imposante Wehratalsperre, ist erreicht. "Da ist ja wenig Wasser drinnen", staunen die Jungs. Aber nicht mehr lange, denn plötzlich kommt Wasser von oben, wie aus Kübeln. Ohje, noch drei Kilometer bis Wehr und keine Bushaltestelle in Sicht – aber eine nette Frau, die uns im Auto mitnimmt und so einer perfekten Tour den perfekten Abschluss gibt. Danke! von Anita Fertl
Dabei ist Wandern mit Kindern ohnehin immer eine Zitterpartie für Eltern. Deshalb hatten wir im Vorfeld scheinbar alles bis ins Detail geplant, ein Rezept mit Gelinggarantie für die sorglose Wanderung ausbaldowert: Man nehme eine Tour mit Bächen, Felsen und schmalen Pfaden, mixe zwei Neunjährige, die beste Freunde sind, und zwei Mütter dazu, die sich ebenfalls gut verstehen, packe seinen Rucksack mit ordentlich Vesper, Pflaster und Notfallsüßis: Fertig ist die perfekte Wanderung – dachten wir.
Doch erst einmal müssen wir eine halbe Stunde ohne Wasserläufe auf breiten Forstwegen überstehen, der Süßivorrat schwindet schon jetzt rapide. Zum Glück für uns entdecken die Jungs das Wegweisersuchen. Schnell ist das Schluchtensteigschild ausfindig gemacht: ein blaues S, ein roter und grüner Kringel – "Fluss, Wald und rote Zunge, die raushängt, weil’s so bergauf geht", so die Jungs. Tatsächlich hat unser Tourenabschnitt insgesamt 400 Höhenmeter Aufstieg, bergab aber sind es doppelt so viele.
Dann, endlich, kommen sie, die urigen Pfade mit steilabfallenden, felsigen Hängen. Der Wald verwandelt sich in einen Urwald aus saftigem Grün mit gigantischen Tannen und Buchen. Mächtige Steinblöcke säumen den Pfad und sind ebenso mit Moos ummantelt wie die Tannenskelette und Baumriesen, die entwurzelt im Hang liegen, sich kreuz und quer stapeln wie ein riesiges Mikadospiel.
Immer wieder gibt der Wald Gucklöcher frei. Ganz unten tost und brüllt die Wehra, selbst auf dem Steig, der gut 100, 200 Meter höher entlangläuft, können wir sie hören. Vorsichtig (Kante!) starren wir die steilen Waldhänge hinab auf das weiß schäumende, wilde Wasser. Wie eine silberne Riesenschlange frisst sich die Wehra durch die Schlucht. An ihren Flanken wuchert der dichte, grüne Wald, und um die Urwaldkulisse perfekt zu machen, schaukeln Wolkenfetzen zwischen den Baumkronen.
Steil wird nun der Pfad, der uns bergab führt, entlang an einem ebenfalls prall gefüllten Wildbach, immer näher zur laut tosenden Wehra hin. Kilometermäßig ist fast Halbzeit. Gut, dass die Jungs die Bushaltestelle nicht bemerken, als wir die Straße überqueren und auf einem schmalen Weg in den Gegenhang einsteigen. Ohnehin scheint dank des urigen Pfads das Wandern auf einmal kein Problem mehr zu sein: Die Jungs entdecken drei unterschiedliche Schneckenarten, die sich teilweise gegenseitig auffressen ("Bwäääh") und Steinblöcke mit Gesichtern ("wie auf den Osterinseln"). Als der Bannwald uns wieder verschluckt, wird das Tosen der Wehra zu einem leisen Rauschen, irgendwo in weiter Ferne.
Wir sind eingetaucht in den Abenteuerspielplatz Wald, die Jungs spinnen Geschichten. "Schau mal, die Wurzel sieht aus wie der Kopf eines Greifs" – "Ja, und der jagt die Baumskelettechse" – Willkommen im Jurassic Parc. Wir Erwachsene sind abgeschrieben, die Jungs flitzen voraus – und sind bald verschwunden. Wir hören ihr Gelächter in der Ferne. Ach, die werden schon irgendwann langsam machen. Eine halbe Stunde später merken wir, wie still es mit einem Mal ist. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen? Sind sie abgestürzt? Wir bleiben stehen und gucken – keine Kinder in Sicht – und lauschen – nichts. Dann, endlich, dringt von ziemlich weit her wieder Gelächter zu uns und wir entspannen uns.
Erst ein ganzes Wegstück weiter ist unsere Kinderlosigkeit vorbei. Der letzte Höhepunkt der Tour, die imposante Wehratalsperre, ist erreicht. "Da ist ja wenig Wasser drinnen", staunen die Jungs. Aber nicht mehr lange, denn plötzlich kommt Wasser von oben, wie aus Kübeln. Ohje, noch drei Kilometer bis Wehr und keine Bushaltestelle in Sicht – aber eine nette Frau, die uns im Auto mitnimmt und so einer perfekten Tour den perfekten Abschluss gibt. Danke! von Anita Fertl
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Mo, 18. Mai 2015
INFO
Eine Variante der sechsten Schluchtensteig-Etappe ist die Tour von Todtmoos-Au bis Wehr mit insgesamt 16,5
Kilometern. Möglich ist auch der Einstieg beim Wanderparkplatz Wehratal mit zehn Kilometern bis Wehr. Anfahrt jeweils mit der Buslinie 7320 Wehr-Todtmoos.
Infos: Tourist-Info Wehr, Tel. 07762/808601, http://www.wehr.de sowie http://www.schluchtensteig.de
Autor: anfe