Vom Bäratuff ins Schmeietal
E s ist ein Himmel wie aus einem alten Western: Technicolorblau mit handgemalten weißen Wolken. Die Stille kann man buchstäblich hören, und die Landschaft ginge auch als Montana oder Wyoming durch. Doch es sind keine Indianer auf Pferden, die aus dem Wäldchen preschen, sondern Mountainbiker auf ihren Drahteseln. Und wir sind nicht im wilden US-Westen, sondern im deutschen Südwesten, genauer: auf dem Großen Heuberg am Rand des kleinen Naturschutzgebiets Irndorfer Hardt. Hier wachsen Trollblume und Moor-Klee, Arnica und Buschnelke. Der Große Heuberg ist kein Berg, sondern eine Hecken- und Steinriegellandschaft zwischen Bäratal und Schmeietal. Hier heißen die Gewanne Krautgärtle oder Saustall, und manchem Bundesbürger ist Stetten am Kalten Markt mit seinem Truppenübungsplatz in mehr oder weniger guter Erinnerung.
Doch die wollen wir nicht pflegen, sondern uns zwei der schönsten Flusstäler des Südwestens zu Fuß und mit dem Rad widmen. Über Nusplingen führt der Weg von der Höhe ins Bäratal hinab und zum gleichnamigen Wanderweg. Schon von weitem grüßt der eigenartige Chorturm der alten Friedhofskirche: romanisch mit einem Fachwerkaufsatz. Im Inneren der Kirche sind Wandmalereien, ein spätgotischer Altar und eine barocke Kassettendecke zu bewundern.
Nicht minder malerisch geht es an der Bära weiter, die ohne die übliche Regulierungs- und Kanalisierungswut der Wasserwirtschaft durch saftige Wiesen mäandert. Die Talseiten ziehen die Kurven des Flüsschens in respektvollem Abstand nach, schließlich sind sie einst vom Wasser aus der Alb herausgearbeitet worden. Kurz vor Bärenthal beginnt ein Rundweg, der mit einer geologischen Besonderheit aufwartet: dem Tuffstein. Der wird hier nicht nur in einem kleinen Steinbruch abgebaut, sondern hat auch einen Wasserfall gebildet, die "Bärenthaler Tuffstein-Kaskaden". In Bärenthal selbst demonstriert das Pfarrhaus, was man aus dem porösen Tuff machen kann.
Bärenthal verlassen wir in östlicher Richtung und kommen durch das Felsentor ins "Täle", wo zahlreiche Kruzifixe aus dem 19. Jahrhundert vom Friedhof einen Platz an den Felsen gefunden haben und für eigenartige Stimmung sorgen. Der Weg steigt ganz ordentlich an bis Gnadenweiler, wo uns zwei mächtige Bullen mit etwas misstrauischen Blicken begrüßen. Der Ort verdankt seinen Namen fürstlicher Gnade, die hier einst Aussiedlern aus Bärenthal kostenloses Land hat zukommen lassen. Durch dieses geht es weiter zum Irndorfer Hardt, das schon vor 5000 Jahren besiedelt war. Heute besticht das 103 Hektar große Naturschutzgebiet durch seine Holzwiesen, die dem Gelände einen parkähnlichen Charakter verleihen. Und der hat in der Abendstunde etwas Zauberhaftes.
Am zweiten Tag des Wochenendes ist das Fahrrad an der Reihe. Über die sanften Hügel des Heuberg-Plateaus radeln wir gemütlich nach Schwenningen, wo wir die "Hohenzollernstraße" kreuzen. Denn es handelt sich nicht um den Stadtteil von Villingen-Schwenningen, sondern um den gleichnamigen Ort westlich von Stetten am kalten Markt. Die Beschilderung für Radfahrer könnte besser sein, doch wir finden den Weg ins berühmte Truppenübungsstädtchen, dessen Sehenswürdigkeiten wir links liegen lassen. Denn es zieht uns ins malerische Schmeietal, das alle Erwartungen an ein idyllisches Flusstal erfüllt. Fast so heftig wie die nahe Donau kurvt die Schmeie durch ihr schmales Tal. Verkehr gibt es erst mal keinen, lediglich der Dieseltriebwagen der Hohenzoller'schen Landesbahn sorgt auf seiner Fahrt von Sigmaringen nach Albstadt für ein bisschen Verkehrslärm. Durch grüne Wiesen, an Äckern und Bauerngärten vorbei geht die flotte Fahrt leicht bergab nach Oberschmeien, wo wir mit der Straße auf die andere Seite des Flusses wechseln. Bis Unterschmeien müssen wir auf die kaum befahrene Kreisstraße, bis uns in Unterschmeien die St.-Anna-Kapelle grüßt. Im Ort verlassen wir die Straße, die den kürzesten Weg nach Sigmaringen nimmt, und teilen nun den schönsten Teil des Tales nur noch mit ein paar Radlern und Kanuten.
Deren Zahl steigert sich an der Mündung der Schmeie in die Donau dramatisch. Denn nun sind wir für die nächsten Kilometer auf dem stark frequentierten Donau-Radwanderweg, der an einem Sonntag von den Pedaleuren höchste Aufmerksamkeit erfordert. Ein paar Mäander weiter hinter Hausen wechseln wir auf die Straße, um die Auffahrt zum Schloss Werenwag nicht zu verpassen. Nun müssen wir für die fröhliche Talfahrt bezahlen, rund 300 Höhenmeter wollen auf Schotterwegen erklommen werden, ehe wir wieder auf dem Großen Heuberg sind. Am Schloss halten Verbotsschilder neugierige Besucher vom Privatgelände fern, dafür erklimmen wir am Rande des Finstertals einen Hochsitz um einen besseren Blick ins finstere Tal zu haben. Nun trennt uns nur noch der 920 Meter hohe Schnaitkapf von unserem Ausgangspunkt am Rand des Irndorfer Hardts.
Rolf Müller
Großer Heuberg/Obere Donau: Infos beim Naturpark-Verein Obere Donau [TEL] 07466/92800 oder im Internet unter http://www.naturpark-obere-donau.de
Doch die wollen wir nicht pflegen, sondern uns zwei der schönsten Flusstäler des Südwestens zu Fuß und mit dem Rad widmen. Über Nusplingen führt der Weg von der Höhe ins Bäratal hinab und zum gleichnamigen Wanderweg. Schon von weitem grüßt der eigenartige Chorturm der alten Friedhofskirche: romanisch mit einem Fachwerkaufsatz. Im Inneren der Kirche sind Wandmalereien, ein spätgotischer Altar und eine barocke Kassettendecke zu bewundern.
Nicht minder malerisch geht es an der Bära weiter, die ohne die übliche Regulierungs- und Kanalisierungswut der Wasserwirtschaft durch saftige Wiesen mäandert. Die Talseiten ziehen die Kurven des Flüsschens in respektvollem Abstand nach, schließlich sind sie einst vom Wasser aus der Alb herausgearbeitet worden. Kurz vor Bärenthal beginnt ein Rundweg, der mit einer geologischen Besonderheit aufwartet: dem Tuffstein. Der wird hier nicht nur in einem kleinen Steinbruch abgebaut, sondern hat auch einen Wasserfall gebildet, die "Bärenthaler Tuffstein-Kaskaden". In Bärenthal selbst demonstriert das Pfarrhaus, was man aus dem porösen Tuff machen kann.
Bärenthal verlassen wir in östlicher Richtung und kommen durch das Felsentor ins "Täle", wo zahlreiche Kruzifixe aus dem 19. Jahrhundert vom Friedhof einen Platz an den Felsen gefunden haben und für eigenartige Stimmung sorgen. Der Weg steigt ganz ordentlich an bis Gnadenweiler, wo uns zwei mächtige Bullen mit etwas misstrauischen Blicken begrüßen. Der Ort verdankt seinen Namen fürstlicher Gnade, die hier einst Aussiedlern aus Bärenthal kostenloses Land hat zukommen lassen. Durch dieses geht es weiter zum Irndorfer Hardt, das schon vor 5000 Jahren besiedelt war. Heute besticht das 103 Hektar große Naturschutzgebiet durch seine Holzwiesen, die dem Gelände einen parkähnlichen Charakter verleihen. Und der hat in der Abendstunde etwas Zauberhaftes.
Am zweiten Tag des Wochenendes ist das Fahrrad an der Reihe. Über die sanften Hügel des Heuberg-Plateaus radeln wir gemütlich nach Schwenningen, wo wir die "Hohenzollernstraße" kreuzen. Denn es handelt sich nicht um den Stadtteil von Villingen-Schwenningen, sondern um den gleichnamigen Ort westlich von Stetten am kalten Markt. Die Beschilderung für Radfahrer könnte besser sein, doch wir finden den Weg ins berühmte Truppenübungsstädtchen, dessen Sehenswürdigkeiten wir links liegen lassen. Denn es zieht uns ins malerische Schmeietal, das alle Erwartungen an ein idyllisches Flusstal erfüllt. Fast so heftig wie die nahe Donau kurvt die Schmeie durch ihr schmales Tal. Verkehr gibt es erst mal keinen, lediglich der Dieseltriebwagen der Hohenzoller'schen Landesbahn sorgt auf seiner Fahrt von Sigmaringen nach Albstadt für ein bisschen Verkehrslärm. Durch grüne Wiesen, an Äckern und Bauerngärten vorbei geht die flotte Fahrt leicht bergab nach Oberschmeien, wo wir mit der Straße auf die andere Seite des Flusses wechseln. Bis Unterschmeien müssen wir auf die kaum befahrene Kreisstraße, bis uns in Unterschmeien die St.-Anna-Kapelle grüßt. Im Ort verlassen wir die Straße, die den kürzesten Weg nach Sigmaringen nimmt, und teilen nun den schönsten Teil des Tales nur noch mit ein paar Radlern und Kanuten.
Deren Zahl steigert sich an der Mündung der Schmeie in die Donau dramatisch. Denn nun sind wir für die nächsten Kilometer auf dem stark frequentierten Donau-Radwanderweg, der an einem Sonntag von den Pedaleuren höchste Aufmerksamkeit erfordert. Ein paar Mäander weiter hinter Hausen wechseln wir auf die Straße, um die Auffahrt zum Schloss Werenwag nicht zu verpassen. Nun müssen wir für die fröhliche Talfahrt bezahlen, rund 300 Höhenmeter wollen auf Schotterwegen erklommen werden, ehe wir wieder auf dem Großen Heuberg sind. Am Schloss halten Verbotsschilder neugierige Besucher vom Privatgelände fern, dafür erklimmen wir am Rande des Finstertals einen Hochsitz um einen besseren Blick ins finstere Tal zu haben. Nun trennt uns nur noch der 920 Meter hohe Schnaitkapf von unserem Ausgangspunkt am Rand des Irndorfer Hardts.
Rolf Müller
Großer Heuberg/Obere Donau: Infos beim Naturpark-Verein Obere Donau [TEL] 07466/92800 oder im Internet unter http://www.naturpark-obere-donau.de
am
Fr, 03. September 2004