Was Sandro di Lorenzo in Berlin so treibt

Das Rockrainer-Mastermind veranstaltet ein Lahrer Osterfestival alternativer intelligenter Popmusik mit Künstlern seines Labels.

LAHR. Er ist Musiker, Musikverleger, Germanist, Hiphop-Poet, Bühnenkünstler und als Inhaber eines Schallplattenlabels auch Unternehmer, Promoter und Tourmanager. In den meisten dieser Funktionen kann man Sandro di Lorenzo am Ostersamstag und Ostersonntag im Schlachthof Lahr live erleben.

Das "Rockrainer"-Mastermind di Lorenzo präsentiert an zwei Abenden ein kleines Festival, ganz überwiegend mit Künstlern, die ihre physischen und virtuellen Tonträger auf seinem Label Rummelplatzmusik veröffentlichen. Am Ostersamstag ab 20 Uhr soll es dabei eher akustisch zugehen, mit den Liedermachern Lukas Meister und Sarah Lesch, dem Kehler Singer-Songwriter Flying Bob und seinen skurrilen Text- und Musikideen sowie mit Sandros Projekt Rockrainer, das hier unplugged und in einer Kuschelrockversion auftreten wird.

Lukas Meister, aus Herbolzheim stammend und nun in Berlin lebend, ist seit drei Jahren als der etwas andere Liedermacher unterwegs – und steht nun an der Schwelle zu größerer Bekanntheit. In den Kultursendungen von Radio und TV ist man aufgrund seiner pointierten Texte und griffigen Songs aufmerksam geworden und bietet ihm eine Plattform, um sich und seine Lieder vorzustellen. Die Besprechungen seiner CD "Wanderjahre" – ein Verweis auf Goethes Roman "Wilhelm Meister" – sind durchweg positiv. Das gilt auch für Sarah Lesch, mit Preisen bedachte Künstlerin aus Tübingen, in deren Liedern sich die Affinität zum Chanson mit Leichtigkeit und heutiger Sprache verbinden. Die Künstler dieses akustischen Abends werden bunt durcheinandergewürfelt auftreten.

Am elektrifizierten Ostersonntagabend präsentieren sich die drei Bands der üblichen Abfolge, eine nach der anderen. Was Rockfans nicht verpassen sollten: Das "Team Amateure" um den Schauspieler und Sänger Tim Sanders, bekannt durch die TV-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Das sind klasse Songs, atmosphärisch dicht, wunderbare poetische Texte zu einer Mischung aus Nirvana, Psychedelic und dem twängenden, rollenden Groove des frühen Rockabilly.

Die Gruppe Manfred Groove bietet stark an Rockrainer erinnernden HipHop. Der Berliner Tomas Tulpe, der einzige Nicht-Rummelplatzmusik-Künstler des Abends, macht sehr abgefahrenen Trashpop zwischen Disco, Heavy Mörtel und Dschingis Khan.

Dass Tim Sander und seine Band sich für Rummelplatzmusik entschieden, habe dem Label doch eine gewisse Aufmerksamkeit gebracht, sagt Sandro die Lorenzo. "Er ist der Liebling Berlins, super bekannt dort auch als Musiker." Für eine unabhängige Firma sei es immer schwer, doch so allmählich komme man dahin, dass sich die Sache selbst trägt. Mittlerweile habe man 14 Solokünstler respektive Bands unter Vertrag, in drei davon sei er selbst als Musiker involviert.

Nach wie vor arbeitet der Musiker nebenher als Germanist, biete Kurse und Vorträge an: "Weil ich das gerne mache." Und er arbeitet auch auftragsweise in der Musikbranche, wirkt etwa bei der Produktion des Echo-Musikpreisverleihung mit. "Man lernt da interessante Menschen kennen", so Sandro. Zu den zwei Abenden kam es, weil sich die Künstler alle zu dieser Zeit gerade auf Tournee befinden, somit verfügbar sind. Außerdem sei es sein Wunsch gewesen, "daheim" einmal vorzustellen, was er in Berlin mit seinem Label gerade so treibt.

"Musik für morgen" im Schlachthof, LahrOstersamstag, 4. April, 20 Uhr: Liedermacher unplugged mit Lukas Meister, Sarah Lesch, Flying Bob und Kuschelrockrainer. Ostersonntag, 5. April, 20 Uhr, elektrisch und mit Stecker: Team Amateur, Manfred Groove und Tomas Tulpe, alle aus Berlin.

von Robert Ullmann
am Di, 31. März 2015


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