Kunst

Werkauswahl von Maria Tackmann im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen

Werkauswahl von Maria Tackmann im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen.

"Stein Sand Sandstein Metall Holz Wolle Glas". Der vor kurzem erschienene Kunstkatalog von Maria Tackmann zählt noch rund zwei Dutzend weitere Materialien auf dem Einband auf. Der ungewöhnliche Buchtitel ist womöglich eine Hitliste ihrer beliebtesten oder meistverwendeten Werkstoffe. Auffällig jedenfalls ist, dass die Aufzählung keiner alphabetischen Ordnung folgt. Wo doch Ordnung ein wichtiges, ja zentrales Thema der in Karlsruhe lebenden Schweizerin ist, die an der Kunstakademie der Fächerstadt Meisterschülerin bei Silvia Bächli war. Freilich sind es stets eigenwillige, von gängigen Einteilungsprinzipien abweichende Ordnungskriterien, die ihren Arbeiten zugrunde liegen.

In Freiburg ist Tackmann keine Unbekannte mehr. 2014 erhielt sie den Kunstpreis Alexander Bürkle. Zurzeit ist sie im Kunstraum Bürkle mit einer Installation in der Ausstellung "Für die Ewigkeit" zu sehen, die das Sammeln, Ordnen und Inventarisieren in der Gegenwartskunst thematisiert – exakt die Tätigkeiten, die für Tackmanns künstlerische Arbeit wichtig sind. Jetzt wird in der Rudolf-Scharpf-Galerie im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen ihre Ausstellung "Zeichen" mit einer Auswahl aktueller Werke eröffnet.

Tackmanns zu poetischen Ordnungssystemen arrangierte Objekte sind häufig Fundstücke, die sie bei Streifzügen in der Natur oder im urbanen Raum aufliest. Oft handelt es sich um wertlose Gegenstände wie Steine und Äste, Glasscherben oder zerbrochene Ziegelsteine. Zivilisatorische Relikte zeigen häufig Spuren von Gebrauch und Bearbeitung wie Farbreste oder Abdrücke von Gitterstrukturen. Während natürliche Gegenstände oftmals von natürlichen Prozessen und Witterungseinflüssen künden – erodiertes Gestein beispielsweise oder verwittertes Holz.

Die Fundstücke arrangiert Tackmann am Boden zu fremdartigen Konfigurationen, die ein Ordnungsschema nahelegen, dessen Parameter erst noch zu ergründen wären. Die Sortierung und Lage der Objekte zueinander lädt sie mit einer Bedeutung auf, die sie zu Zeichen in verborgenen Zusammenhängen macht: ein Spiel aus wechselseitigen Verweisen, das zu Assoziationen einlädt und den Betrachter zum Spuren- und Fährtenleser werden lässt. Dabei geht es immer auch prominent um die Stofflichkeit der Objekte – so wie Tackmann in ihren Zeichnungen gern der Materialität des von ihr in vielfältiger Weise bearbeiteten Papiers nachspürt.

Termine: Wilhelm-Hack-Museum, Berliner Str. 23, Ludwigshafen, 13. Jan. bis 8. April, Do bis So 13–18 Uhr

von Hans-Dieter Fronz
am Fr, 12. Januar 2018


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