Interview

Josef Hader über sein Regiedebüt "Wilde Maus"

TICKET-INTERVIEW: Josef Hader über sein Regiedebüt und abgehackte Finger, die ihn nicht so sehr interessieren.

Als Kabarettist ist er schon seit 30 Jahren erfolgreich, als Schauspieler kennt man Josef Hader (55) vor allem als Brenner in den Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas. Viel Lob erntete der Österreicher 2016 aber auch für seine Darstellung des Schriftstellers Stefan Zweig in Maria Schraders "Vor der Morgenröte". Mit "Wilde Maus" stellte er auf der Berlinale sein Regiedebüt vor, in dem er auch die Hauptrolle spielt, einen Musikjournalisten. Markus Tschiedert sprach mit Josef Hader.

Ticket: Sie sagten bereits 2009, Sie wollten gern mal Regie führen, würden sich aber nicht trauen. Was hat Sie nun doch dazu bewogen?
Josef Hader: Ich hab mir zum ersten Mal alleine eine Geschichte ausgedacht, daraus entwickelte sich ein Drehbuch. Während des Schreibens dachte ich, das wäre jetzt die Möglichkeit zum Regie führen. Entweder ich traue mich oder nicht.
Ticket: Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert?
Hader: Diese Geschichte, dass ein Mann die Arbeit verliert und es zu Hause nicht erzählt, ist ja nicht zum ersten Mal erzählt worden. Vielleicht war’s der kleine Rachefeldzug, den mein Held plant, der mich besonders gereizt hat. Sowas schreibt man gerne, auch wenn man es nie selber tun würde. Mein allererster Impuls war, dass ich verärgert war, weil ich ein anderes Projekt nicht gefördert bekam. Mit einem gewissen Trotz sagte ich mir, das hat jetzt für etwas gut zu tun.
Ticket: Sie spielen in Ihrem Film auch die Hauptrolle. Wie viel von Ihnen steckt in diesem Georg?
Hader: Der Trotz zum Beispiel, den ich gerade beschrieben habe. Und natürlich auch, dass ich auch eng mit meinem Beruf verbunden bin. Wenn ich von heute auf morgen nicht mehr arbeiten dürfte, wäre das für mich nicht so einfach, auch psychisch nicht.
Ticket: Könnten Sie sich auch vorstellen, dem ehemaligen Chef das Auto zu zerkratzen?
Hader: Nein, für so etwas wie Rache bin ich nicht geeignet, da bin ich zu feig und zu bequem dafür.
Ticket: Wie sind Sie als Regisseur mit den anderen namhaften Darstellern wie Nora von Waldstätten oder Georg Friedrich umgegangen?
Hader: Meine Überlegung war, so Regie zu führen, wie ich es als Schauspieler gern hätte. Das bedeutet, einfach gesagt, dass die Technik für den Schauspieler nicht spürbar ist, dass er zum Beispiel keine Markierungen bekommt, wo er hingehen muss. Dass er nichts tun muss für die Kamera, sondern die Kamera dazu da ist, ihn einzufangen. Die Schauspieler sollen möglichst frei und selbstvergessen sein und die Dinge von Take zu Take immer etwas variieren können. So kann man Schauspieler im Idealfall zum Schweben bringen.
Ticket: Hatten Sie bei Ihrem Regiedebüt auch mal überlegt, die Hauptrolle abzugeben?
Hader: Ja, das habe ich eine Zeitlang. Dann gab es ganz ehrlich die Überlegung, dass, wenn ich im Film bin, mehr Leute in Österreich ins Kino gehen. Weil ich habe nur eine Chance, einen nächsten Film drehen zu können, wenn die Förderer merken, da gibt es eine gewisse Resonanz beim Publikum.
Ticket: Nach den Erfolgen Ihrer Brenner-Filme werden sich manche "Wilde Maus" viel wilder vorstellen. Denn trotz einiger Gemeinheiten geht es doch ziemlich unblutig zu. Haben Sie sich da selbst zensiert?
Hader: Leider muss ich Sie mit der traurigen Tatsache konfrontieren, dass ich nicht Wolf Haas, der Autor der Brenner-Romane, bin. Mich interessiert dieses schrullige Österreichische nicht, ich habe es fast ein wenig satt. Ich wollte eine Geschichte über Menschen erzählen und nicht über abgehackte Finger.
Ticket: Im Hintergrund lassen Sie Politisches aber mitfließen. Da hätten Sie mehr reinpacken können...
Hader: Ja, aber ich bin gegen das Reinpacken. Ich finde, dass Filme keine Rucksäcke sind, sondern dass man eine Geschichte erzählt. Inwieweit man gesellschaftliche Stimmungen reinlässt, bestimmt die Geschichte selber. Ich glaube, wenn die Zeitatmosphäre noch stärker drin wäre, würde genau diese Stimmung verloren gehen, dass es latent im Film drin ist.

von tsc
am Fr, 10. März 2017


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