Naturhistorisches Museum Basel

Mumien-Ausstellung

Die Mumien-Ausstellung in Basel zeigt menschliche und tierische Zeugen ihrer Zeit.

Mumien sind geheimnisvoll, ein bisschen gruselig und in Filmen meist mit einem Fluch belegt. Kein Wunder, dass sich viele Mythen um sie ranken. Das Naturhistorische Museum in Basel zeigt vor allem, wie sie entstehen, und geht den Geschichten nach, die sich hinter den teilweise Jahrtausende alten Überresten verbergen, und erzählt von Aberglauben und Leichenkult.

Den Anfang machen die Mumien im Eis, die uns mit in einem schaurig-ästhetischen Ballett empfangen: Die Gliedmaßen der Gämse, dünn wie Äste, sind wie beim Tanz elegant gestreckt, der Kopf ist anmutig nach oben gereckt. Dahinter ist ein lederner und ausgemergelter Steinbock aufgebaut, mit skurril-grazil gestreckten Beinen und gebeugtem Kopf, als wolle er sich verneigen. "Iiih, das ist eklig", finden unsere beiden elfjährigen Jungs ein ums andere Mal, denn Mumien sind nichts für empfindsame Gemüter.

Dass die Ausstellung dennoch nicht zur Gruselschau gerät, liegt an der behutsamen Präsentation, die in einen naturwissenschaftlich-historischen Kontext gestellt wurde. "Wir zeigen die Prozesse der Mumifikation, unter anderem die der natürlichen. Wir stellen sehr respektvoll und sorgfältig aus und mit der Wissenschaft verknüpft", sagt Projektleiterin Anna Pevzner.

Zwar ist die Zielgruppe 14 plus angesprochen, aber im Familienmuseum sollen auch Jüngere bei Hör-, Riech- und Taststationen zum Zug kommen. "Der Tod ist eine sehr persönliche Geschichte. Wir raten: Schaut auf eure Kinder, denn jedes reagiert anders – selbst wenn Kinder mit dem Tod oft besser umgehen als Erwachsene", sagt Pevzner. Eigens für Familien wurde ein Quiz entwickelt. Eine Frage daraus lautet: "Wie würdest du reagieren, wenn du in den Alpen eine Mumie entdecken würdest?" "Schreien." "Ja, und davonlaufen", sind sich die Jungs einig – und schon verschwunden. Wir finden sie am interaktiven Seziertisch wieder, wo sie per Fingerdruck dem hochaufgelösten Abbild von Ötzi allerlei Geheimnisse über seine Lebensweise, sein Aussehen, seine Krankheiten und Todesursache entlocken können.

Nach der Mumifizierung durch Vereisen gibt’s noch diejenige, bei der Menschen und Tiere von Bernstein oder dem Moor umschlossen und so konserviert wurden. Die 2000 Jahre alten Moorleichen von Weedingen sind kaum menschenähnlich, sehen aus, wie aus einem Stück schwarzen Stoffschlauch gemacht. Die 1904 entdeckten Leichen galten lange Zeit als Mann und Frau, als eng umschlungenes Liebespaar. Doch neue Untersuchungen ergaben, dass es sich wohl um zwei männliche Körper handelt. War eine der Leichen manipuliert worden, um den Verdacht einer homosexuellen Verbindung erst gar nicht aufkommen zu lassen?

Von Katzen, die zum Schutz vor Hexen in Zwischenböden eingeschlossen wurden, von einem Wiesel, das verhungerte, von einer Fledermaus, die während des Winterschlafs starb und austrocknete, erfahren wir im nächsten Raum. Gefangen in Dachböden, Höhlen oder Kellern sind die Tiere durch einen Austrocknungsprozess so gut erhalten geblieben. Wir gehen weiter, mitten hinein in das Halbdämmerlicht einer Gruft. Sie zeigt die Mumie aus der Barfüsserkirche, die 1945 bei Renovierungsarbeiten ausgegraben wurde. Nebenan liegt Terezia Borsodi, die im Kindbett verstarb. Im Tod vereint, ist sie gemeinsam mit ihrem Baby gebettet, augenlos und doch wie schlafend.

Wer diese Art der Erhaltungskunst perfektionierte, erfahren wir in den nächsten Räumen: Es waren die Inkas und die Ägypter. An einem großen Tisch können die Jungs einzelne Schritte der Mumifizierung nachlesen und erschnuppern, was den Verstorbenen einen guten Duft verleihen sollte: "Ich nehm’ Myrte." "Ich Zimt." Dass die Mumifikation ein blühender Wirtschaftszweig war, davon zeugen rund 70 Millionen Tiermumien, die als Beigaben mit in die Gräber wanderten.

Die letzte Tür führt uns wieder hinaus. Spannend, nicht gruslig, aber eklig, fanden’s die Jungs – und auch wir lassen uns nun gerne die Sonne ins Gesicht scheinen.

Weitere Infos: Mumien – Rätsel der Zeit; Naturhistorisches Museum Basel, Eintritt: 17 CHF, Kinder unter 13 Jahren frei, bis 19 Jahre 7 CHF; Sa, 25. März: Führung für Kinder von Kindern, 14 bis 15 Uhr, Eintritt frei, Infos: http://www.nmbs.ch

von Anita Fertl
am Fr, 17. März 2017


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